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Rathaustunnel - Radverkehr neuerdings ausgesperrt!
07.03.2014 12:07

Entdeckt am 17.02.2014: Wer als Radfahrender nach mehr als 40 Jahren den Rathaustunnel im alltäglichen Radverkehr genutzt hat, wird sich wundern, was ihn neuerdings trotz Tempo 30 und Baustelle an der Eingangspforte erwartet.

Das aktuelle Verkehrsverbot im Rathaustunnel (VZ 254) hat offenbar nichts mit der Baustelle zu tun. Die für die Absicherung der Baustelle zuständigen städtischen Mitarbeitenden wussten davon nichts.

Die Verkehrsplaner der Stadt haben die Schilder zugegebenermaßen aufstellen lassen, um vor dem Hintergrund hoher Sicherheitsauflagen bei Straßen.NRW auf Nummer Sicher zu gehen, ohne dass sie jetzt genauere Details preisgeben konnten. Klar ist aber, dass bei der Übergabe des Tunnels an Straßen.NRW ein ordnungsgemäßer Zustand Voraussetzung ist. Straßen.NRW steht jetzt da mit dem „geschenkten Gaul“ und kann das auf unterer Ebene zunächst nicht klären, wie es dazu kam. Angeblich konnte durch VZ 254 den hohen Sicherheitsauflagen, wie sie von Straßen NRW (als neuen Eigentümer des Tunnels offenbar im Gegensatz zu den Kommunen) angewandt werden, Rechnung getragen werden. Außerdem wurde angelblich durch die Anordnung mit VZ 254 eine Vollsperrung vermieden, die einmal im Raum gestanden haben soll.

Eine in der Bevölkerung scheinbar unbeliebte aber konsequente Vollsperrung wäre im Zuge der Baumaßnahme allerdings kostengünstiger gewesen. Diese Option hat sicher weiterhin Bestand, wenn sich der gesunde Verstand durchsetzt. Ein größeres Verkehrschaos ist zumindest in der Zeit, als der Tunnel tatsächlich vollgesperrt war, ausgeblieben.

Die Durchführung der Straßenbauarbeiten im Tunnel ist nicht abhängig vom Radverkehr. Außerordentliche Schäden im Zusammenhang mit dem baulichen Zustand des Rathaustunnels sind insbesondere durch den Radverkehr nicht zu erwarten. Die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h während der Baumaßnahme sollte auch bei einspuriger Verkehrsführung zu einem vernünftigen Miteinander und Sicherheit für alle im Tunnel sorgen, wie es zig Jahre zuvor auch mit je zwei Spuren und Tempo 50 km/h funktioniert hat. Die Verkehrsplanenden der Stadt würden die Schilder (VZ 254) wieder abmontieren, wenn sie von Straßen.NRW eine Bestätigung darüber erhielten, dass alle erforderlichen Sicherheitsstandards gegeben sind, die Radverkehr im Tunnel wie bisher ermöglichen. „Hiermit bestätigen wir, dass die erforderliche Sicherheit im Rathaustunnel gegeben ist, um ein Fahrverbot für Radfahrende auszuschließen. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich Radverkehr negativ auf die Sicherheitslage im Tunnel auswirkt.“ So oder ähnlich sollte es von Straßen.NRW klingen, damit die Stadt die Schilder wieder abschrauben lassen könne.

Es ist völlig unlogisch, dass die straßenrechtliche Widmung des Rathaustunnels trotz einer Baumaßnahme ln Höhe von mehreren Millionen Euro plötzlich Radfahrer nach 40 Jahren konfliktfreier Praxis ausschließen würde. Es ist eher davon auszugehen, dass ein Aussperren der Radfahrenden durch die Straßenverkehrsbehörde rechtswidrig ist. Falls nicht, sollte dann aber von der Verkehrsplanungsabteilung erklärt werden, warum ein Verbot für Radfahrende im Rathaustunnel zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung beitragen sollte. Die Erfordernis einer straßenrechtlichen Teileinziehung ist äußerst zweifelhaft. Ein Wegerecht für Radfahrende im Rathaustunnel wird wie in den letzten 40 Jahren auch weiterhin Bestand haben und darf nicht einfach vom verkehrsüblichen Gemeingebrauch ausgeschlossen werden. Ein öffentliches Interesse daran wird es ja wohl kaum geben.

Also wenn Straßen.NRW auch keine Begründung für die Beschränkung des Gemeingebrauchs des Rathaustunnels liefert, kann es keinen ernsthaften Willen zu einer Beschränkung geben.Es sollte möglich sein, mit entsprechenden Unterlagen von StraßenNRW mit einem kurzen Antrag bei der Verkehrsplanung die Aufhebung des Fahrradverbotes im Tunnel zu erwirken.

Es wurde von Herrn Rasche die Tunnelleitzentrale von StraßenNRW in Hamm kontaktiert. Dort wurde wohl ausgesagt, dass in Tunneln grundsätzlich kein Rad- und Fußverkehr zugelassen werde.

Als Begründung werden dafür immer die Sichtverhälnisse angeführt. Es werden wohl so genannte Lichtgutachten erstellt. Die derzeitige Beleuchtungssituation im Rathaustunnel sei auf jeden Fall nicht ausreichend. Da sind ja immernoch die alten Dinger unter der Decke. Außerdem sind im Tunnel keinerlei der sonst üblichen Sicherheitsstandards gegeben. Es sei davon auszugehen, dass die Fahrer von Kfz beim Einfahren in den Tunnel beim Wechsel vom Tageslicht in die dunkle Röhre zunächst nichts sehen.

Augen zu und durch? In Ausnahmefällen werden jedoch für Radverkehr besondere Maßnahmen getroffen, wie z. B. eine separat angelegte Streckenführung 3 Meter höher als das Fahrbahnniveau des Kfz-Verkehrs. Es gibt wohl in der Region auch eine Version mit Trennstreifen dazwischen. Die Örtlichkeiten der beiden Ausnahmebeispiele konnten leider nicht genannt werden. Hier besteht noch Forschungsbedarf.

Die Tunnelröhren im Lüdenscheider Rathaustunnel sind zwar mit je zwei Fahrspuren ausgestattet; jedoch auf Kosten der fehlenden Rettungstunnel. Also schlechte Sichtverhältnisse werden angeführt, um ein Verbot für Rad Fahrende und zu Fuß Gehende zu erwirken. Mögliche Verkehrsregelungen, die geeignet und in der Lage sind, die gefahrene Geschwindigkeiten der Kfz an die Sichtverhältnisse im Tunnel anzupassen, werden gar nicht erst erwähnt.

Wohlgemerkt Lüdedenscheid ist DIE „Stadt des Lichts“ und es müsste doch wohl technisch möglich sein, den Tunnel angemessen zu beleuchten. Was sagen denn wohl die berühmten Lichtingeniere aus unseren weltführenden lichttechnischen Spitzenunternehmen dazu? Eine Zusammenlegung der rechten Fahrspuren zu einer gemeinsamen Fahrspur für Rad- und Linienverkehr wäre dann ja sichttechnisch gesehen auch nicht machbar, obwohl ansonsten eine reizvolle Idee.

Weitere Option: Ich kann mir vorstellen, dass mittels eines Trennstreifens ein Radweg im Tunnel eingerichtet werden kann. Das sollte mal breitentechnisch geprüft werden. Die verkehrliche Auslastung der Röhre in Fahrtrichtung Altena sollte dies ohne große Probleme möglich machen. Aktuelle Zahlen dazu sollten die Verkehrsplanenden der Stadt ja wohl haben.

Der Blindflug der Kfz im Tunnel wird mehr akzeptiert, als die Bedürfnisse des Alltagsradverkehrs? Wie kann das sein? Die Sichtverhältnisse im Tunnel lassen sich durch das Aussperren des Radverkehr wohl eher nicht verbessern. Es ist davon auszugehen, dass auch Richter das grundsätzlich so sehen. Was fehlt, ist hier sicher eine Art Grundsatzurteil als geltende Rechtsprechung.

Und die Gefahren sind eigentlich bei den Verursachenden zu mindern, anstatt die durch die Gefährdeten zu benachtteiligen. Das Sichtfahrgebot nach StVO gilt ja wohl auf allen Straßen. Extremvergleich zur Verdeutlichung: Es werden ja auch bei Waldbrandgefahr nicht aus Sicherheitsgründen die Bäume gefällt, sondern Rauchverbote erteilt etc.

Vor allem, wie ist das jetzt in der Praxis? Die riesige Umleitung mit vielen Höhenmetern führt streng genommen die die Sauerfelder Straße hoch und über die Hochstraße durch den Oberstadttunnel oder anders herum den "Eselsrücken hoch in Richtung Parkstraße. Augusta-, Knapper, Martin-Niemöller- und Bahnhofstraße sind in der West-Ost-Richtung aufgrund der stauenden KFZ zeitweise keine wirkliche Option und über West-, Park- und Lessingstraße mit viel zu vielen Ampeln verbunden. In der Gegenrichtung über Friedrich-, Lösenbacher Str. fehlen ggf. Querungsmöglichkeiten über die Weststraße aufgrund von Abbiegevorschriften. .

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